Ausschreibung StolperKunst-Projekte 2027
Der Stuttgarter Gemeinderat stellt der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V., dem Träger von StolperKunst, Mittel für die Förderung von StolperKunst-Projekten zur Verfügung.
| Fördersumme | bis 8.000 € pro Projekt |
| Bewerbungsschluss | 11. November 2026 |
| Umsetzung | 1. Januar 2027 bis 30. November 2027 |
| Antrag per Mail | info@stolperkunst.de |
| Eingeladen sind | Künstler:innen aller Sparten |
Ausführliche Informationen zu StolperKunst und den bisherigen Projekten: stolperkunst.de
Grundsätzliches
Die geförderten Projekte sollen sich vornehmlich an Jugendliche und/oder junge Erwachsene richten. Junge Menschen sollen möglichst sowohl als Akteur:innen als auch als Rezipient:innen beteiligt sein. Erinnerungskultur braucht junge Menschen, die sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen wollen, um für die Gegenwart zu lernen. Für Jugendliche aus eingewanderten Familien – etwa die Hälfte der Stuttgarter Jugendlichen – sollen auch Themen Platz haben, die einen Bezug zur Geschichte der Herkunftsländer ihrer Familien haben, insbesondere zu Erfahrungen während der NS-Besatzungspolitik.
Thema der Ausschreibung
Kunst und Musik können bedrohen, wo Freiheit zum Feindbild wird. In der NS-Zeit wurden moderne Kunst, Jazz sowie jüdische und politisch unbequeme Künstlerinnen und Künstler als „entartet“ diffamiert, verboten, verfolgt, vertrieben oder ermordet. In Stuttgart gerieten auch Liebhaber*innen von Swing-Musik ins Visier: Die Gestapo verfolgte vom „Hotel Silber“ aus Jugendliche, die sich heimlich zum Swing-Musik hören und Tanzen trafen. Sie verhaftete, verhörte und misshandelte sie und schickte sie zur Strafe und Disziplinierung an die Kriegsfront.
Diese Ausschreibung lädt dazu ein, sich künstlerisch mit der Frage auseinanderzusetzen, warum Klänge, Bilder und Worte autoritären Systemen gefährlich erscheinen – und welche Kraft sie bis heute entfalten.
Gesucht werden Beiträge, die Erinnerung und Gegenwart verbinden: Musik, Performances, Texte, Bilder, Installationen oder digitale Arbeiten, die Ausgrenzung sichtbar machen, Mut erzeugen und Widerstand erlebbar werden lassen. Im Mittelpunkt steht Kunst als Sprache der Würde, Solidarität und Zivilcourage – gegen Hass, Rassismus, Antisemitismus und jede Form von Unterdrückung.
Anforderungen an die Projekte
Die Projekte müssen folgende Anforderungen erfüllen:
- Konkreter Bezug zu Stuttgart, etwa zu einzelnen Schicksalen, Orten oder Personen, die mit Stuttgart verbunden sind.
- Professionelle künstlerische Qualität des Projekts und der Antragsteller:innen.
- Relevanz in Bezug auf aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen.
- Realisierbarkeit des Projekts, insbesondere ein realistischer Zeit- und Finanzplan, plausible Kosten sowie Berücksichtigung von Bedingungen der Umsetzung, zum Beispiel behördlichen Genehmigungen.
- Ernsthaftes Interesse der Antragsteller:innen an einer Kooperation mit StolperKunst und der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V.
Antrag und Vergabeverfahren
Der Antrag muss folgende Bestandteile enthalten:
- die künstlerische Idee
- die beteiligten Künstler:innen und ihren Hintergrund
- das Konzept
- den Zeitplan
- den Kostenplan
Frist: Der Förderantrag muss bis spätestens 11. November 2026 eingegangen sein.
Ein Fördergremium berät über die eingereichten Anträge und entscheidet über die Förderung.
Dem Gremium gehören die Verantwortlichen des Projekts StolperKunst, Vertreterinnen des Vorstandes der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. sowie zwei Expert:innen aus Stuttgarter Kunstinstitutionen an.
Nach der Entscheidung werden Konzept, Zeitplan und Kostenplan mit den Künstler:innen in einer schriftlichen Vereinbarung festgehalten. Danach beginnt der Umsetzungszeitraum, der bis zum 30. November 2027 läuft.
Kontakt: Bei Fragen können Sie sich gerne per Mail an info@stolperkunst.de wenden.
Hintergrund: Über StolperKunst
Ziel von StolperKunst ist es, mit Mitteln der Kunst Routinen der Erinnerung zu durchbrechen und Erinnerung zu beleben. StolperKunst will einen Beitrag gegen die grassierende Geschichtsvergessenheit leisten.
Mit den über 1000 Stolpersteinen in fast allen Stuttgarter Stadtteilen sind dramatische Geschichten verknüpft. Stolpersteine erinnern vor der Haustür an die Opfer des Nationalsozialismus, an Jüdinnen und Juden, an Sinti und Roma, an Opfer der Krankenmorde, an politisch andersdenkende und Widerstand leistende Menschen, an Deserteure, an homosexuelle Männer, an Zwangsarbeiter:innen und an Zeugen Jehovas. Die Steine sprechen Themen an, die auch heute aktuell sind: Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus, Flucht und Abschottung, politische Verfolgung und Unterdrückung, Widerstand und Hilfe für Verfolgte.
Viele Schicksale hinter den Stolpersteinen werden beschrieben auf:
www.stolpersteine-stuttgart.de.
Neben den Stolpersteinen gibt es zahlreiche andere Orte in Stuttgart, an denen die Gewaltgeschichte des vergangenen Jahrhunderts anklingen könnte, dies aber nicht tut, weil die Bedeutung dieser Orte nicht im öffentlichen Bewusstsein verankert ist. Das gilt für bestimmte Gebäude, für Straßennamen, für Denkmäler, für Friedhöfe usw.
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