Worte, die erinnern
Textwerkstatt & Performance mit Jugendlichen
Stuttgart, 2025 | Projektleitung: Bobby Sayyar
1. Rückblick
Das Projekt ist gut aufgegangen. Über mehrere Wochen haben die Jugendlichen und
junge Erwachsene aus Stuttgart eigene Texte geschrieben, aufgenommen und auf
fertig produziert. Der Ausgangspunkt waren die Stolpersteine in der Stadt – kleine
Messingplatten, die an Menschen erinnern, die unter dem NS-Regime verfolgt oder
ermordet wurden.
Was mich am meisten überrascht hat: wie ernsthaft sich die Gruppe auf das Thema
eingelassen hat. Es gab keine Hemmschwelle, keine Distanz. Die Leute wollten
wirklich verstehen, wollten wirklich etwas sagen.
2. Die Gruppe
Die Teilnehmenden waren zwischen 14 und 28 Jahre alt, mit sehr unterschiedlichen
Hintergründen – türkisch, arabisch, persisch, kurdisch, deutsch, südeuropäisch. Ein
großer Teil der Gruppe hatte muslimischen Hintergrund.
Genau das hat dem Projekt etwas Besonderes gegeben. Viele dieser Jugendlichen
haben beim Schreiben Verbindungen gezogen – zwischen dem, was sie in Stuttgarter
Stolperstein-Biografien gelesen haben, und dem, was ihre eigenen Familien erlebt
haben: Flucht, Vertreibung, das Leben als Fremde in einem fremden Land. Diese
Verbindungen wurden nicht von mir eingefordert. Sie sind einfach entstanden.
Dass muslimische Jugendliche sich mit jüdischen Verfolgungsschicksalen
auseinandersetzen und dabei ihre eigene Stimme finden – das ist für mich eines der
wichtigsten Ergebnisse dieses Projekts. Es ist ein Zeichen.
3. Was entstanden ist
Insgesamt wurden 12 Einzelaufnahmen produziert. Die Texte sind sehr
unterschiedlich – manche eher lyrisch, manche fast wie Rap, manche wie ein Brief an
eine Person, die längst nicht mehr lebt. Was sie gemeinsam haben: Sie klingen echt.
Das gesamte Projekt wurde filmisch dokumentiert. Der Kurzfilm befindet sich derzeit
in der Postproduktion und wird zur Abschlussaufführung fertiggestellt.
4. Abschlussaufführung im Oktober
Im Oktober 2025 findet die öffentliche Abschlussaufführung statt. Aus dem gesamten
aufgenommenen Material werden die stärksten Stücke und eindringlichsten Zitate
ausgewählt und zu einem Abend zusammengefügt – mit Live-Performances,
Audioeinspielungen und der Premiere des Kurzfilms.
5. Fazit
Alle Projektziele wurden erreicht. Die Stolperstein-Geschichten haben durch junge
Stimmen neue Sichtbarkeit bekommen. Die Teilnehmenden haben künstlerisch wie
persönlich etwas mitgenommen. Und es ist ein Werk entstanden, das über dieses
Projekt hinaus Bestand haben wird – in den Aufnahmen, im Film und in der
Aufführung.
